Kiel - die „Goldene Stadt“ am Meer
(Fortsetzungsroman)

Goldener Windstrom für Kieler Verbraucher
- Kiel heizt mit Ökostrom
Im gelben Licht der Scheinwerfer, die den Rathausturm anstrahlen, ist das Schneegestöber deutlich zu erkennen. Der kalte Nord Ost treibt die Flocken fast waagerecht durch die Dunkelheit. Auf dieser Seite der Scheibe ist es mollig warm, und aus der Tür des Kachelofens steigt der Duft von Bratäpfeln. Anna und Hans haben Freunde zum Essen eingeladen. Als Nachtisch gibt's Boskop, gefüllt mit kleingehackten Nüssen, Rosinen und Honig.
Es ist ja schön warm hier, aber wo sind denn eure Heizkörper geblieben?“ wollte Martin wissen, „Ihr hattet doch immer Fernheizung!“
Ja, das stimmt, fernbeheizt werden wir im Prinzip immer noch, aber nun mit Windstrom statt mit Warmwasser,“ versuchte Hans zu erklären „ der Strom kommt von ganz weit her, von der Westküste oder gar aus dem fernen Norwegen!
Das liegt an unserem motivierten Hauswirt, der sagt, er habe in Verantwortung für kommende Generationen in Energieeffizienz investiert. Nachdem das Haus jetzt durch Energiesparmaßnahmen wie dicke Wärmedämmung fast auf Passivhausniveau kam, brauchten wir nur noch ein Zehntel der Heizenergie von früher.
Bei so niedrigem Verbrauch war die Kieler Fernwärme wegen zu hoher Grundkosten im Verhältnis so teuer geworden, das die Wohnungen kaum noch zu vermieten waren. Auch wurde die Kieler Fernwärme überwiegend aus Kohle, Erdgas und Erdöl erzeugt und war damit fossil und klimaschädlich.
Die Lösung hieß: Weg von der Fernwärme, hin zum Heizen mit Strom aus erneuerbarer Energie - mit elektrischer Direktheizung!
Statt der großen Rippenheizkörper haben wir jetzt unsichtbare Heizkabel in den Wänden, das spart enorm Platz, ist sauber, sicher, wartungsfrei und langlebig. Wir brauchen keinen teuren Heizkostenverteiler mehr und bezahlen nur noch das, was auf unserem Stromzähler angezeigt wird. Aus Nostalgiegründen haben wir im Wohnzimmer aber noch unseren elektrisch beheizten Kachelofen, und der macht sogar Bratäpfel!“

Es gibt schon erstaunliche Entwicklungen, schoß es Hans durch den Kopf.

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Die Goldene Kilia im Schneegestöber

Das Gemeinschaftskraftwerk Kiel
Nach der Stilllegung des Kraftwerks in der Wik wurde 1970 auf dem Ostufer der Kieler Förde ein neues Kohlekraftwerk errichtet. Die preiswerte Steinkohle wurde per Schiff oder Bahn angeliefert und dort gelagert. Ursprünglich war das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) ausschließlich für die Stromerzeugung vorgesehen. Nach einem aufwändigen Umbau lieferte das GKK seit 1992 zusätzlich Wärme – die Kraft-Wärme-Kopplung machte es möglich. Als so genanntes Grundlastkraftwerk bildete es damals die Basis der Kieler Fernwärmeversorgung. Und in Zeiten des Spitzenbedarfs lieferte das Gemeinschaftskraftwerk bis zu 50 Prozent des Wärmebedarfs für die an das Kieler Fernwärmenetz angeschlossenen Haushalte. Das war eine technische Meisterleistung der Stadtwerke Kiel.
Da das Gemeinschaftskraftwerk Kiel nach fast 50 Jahren am Ende seiner Lebensdauer war, gab es einen Kampf um ein neues Konzept. Das Kohlekraftwerk wurde dort letztlich ganz aufgegeben. Das gesamte Gelände bis Mönkeberg wurde renaturiert. Das hatte politische und technisch-ökonomische Ursachen:

Die Energiewende wirft alle Planungen durcheinander
Um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken, waren die fossilen Energieträger mit einer hohen Umweltabgabe belegt worden. Die Strom- und Wärmeerzeugung aus fossilen Rohstoffen wie Öl, Kohle oder Erdgas lohnte sich nicht mehr. Stattdessen wurde eine sichere Versorgung auf der Basis regenerativer Energien aufgebaut. Ein Gemeinschaftskraftwerk, entschied man, brauchte Kiel nicht mehr.

Erneuerbare Energieerzeugung basiert auf Strom
Erneuerbare Energieerzeugung liefert Strom, der auch zum Heizen direkt in die Haushalte geliefert wurde und damit 100% Klimaschutz bietet. Das war effektiver als aus Ökostrom über Elektrodenheizkessel im Kraftwerk Fernwärme zu machen. Denn die Energiewende in Deutschland führte schon bald zu einem Überangebot an Ökostrom. Nachdem alle Gebäude eine Wärmedämmung fast auf Passivhaus - Niveau bekommen hatten und alle anderen Maßnahmen zur passiven Wärmenutzung ausgeschöpft waren, war die direktelektrische Heizung die preiswerteste und sauberste Lösung.

Die gesamte Fernwärmeversorgung war gestern
Eine Fernwärmeversorgung war sinnvoll gewesen, solange die Abwärme aus einem Kraftwerk oder einer Müllverbrennungsanlage anfiel und preiswert war. Müll wird heute recycelt und die Wärmeerzeugung aus Kohle, Erdöl, Erdgas rechnete sich auf Grund der hohen Umweltabgaben nicht mehr. Die meisten Fernwärme- und Erdgasleitungen wurden ersetzt durch Stromkabel.
Im Gegensatz zum Fernwärmemonopol ist ein Preisvergleich bei Strom und die Wahl des günstigsten EE-Stromanbieters, also echter Wettbewerb, möglich.

Wasserstoff als Energiespeicher
Die Notstromversorgung wurde durch viele dezentrale Gaskraftwerke hergestellt, die mit Wasserstoff betrieben wurden. Da kam nur noch Wasserdampf aus dem Schornstein.
Hergestellt wurde das Wasserstoffgas ausschließlich mit Überschuss-Strom aus erneuerbaren Energien (EE) aus Schleswig-Holstein, Dänemark und Norwegen.
Das EE-Wasserstoffgas wird in Großspeichern vor Ort unterirdisch zwischengespeichert. Die Neuentwicklung des Wasserstoffnetzes wurde von der now-GmbH gefördert, und war für die Stadtwerke Kiel ein Erfolgsmodell.
Der Umbau der Kieler Energieversorgung nur auf der Basis regenerativer Quellen war wiedereinmal eine zukunftsweisende Lösung der Stadtwerke Kiel.

Nach dem Essen gab's einen Winterspaziergang um den Kleinen Kiel Kanal. Der war jetzt überdacht und wurde eifrig zum Schlittschuhlaufen genutzt.
Die Energiewende hat ja auch einige Vorteile.“ bemerkte Hans „ So können wir per Handy die Temperatur und Lüftung zu Hause einstellen und kontrollieren.“
Er zog sein Smartphone aus der Tasche und los ging's. Heizungs-App aufgerufen, Frischluft mit Stoßlüftung eingestellt, und fertig.
Als sie nach einer halben Stunde durchgefroren wieder in der Wohnung ankamen, blieb Martin überrascht stehen. „Tatsächlich, frische Luft und mollige Wärme. Und dann dieser Blick auf den Rathausturm im Schneegestöber, - das ist ja traumhaft!“
Dann lasst uns jetzt die Windstromheizung feiern!“ schlug Hans vor.
Keine 5 Minuten später saßen sie schon gemütlich im Erkerzimmer am Kachelofen, bei einem Goldenen Glas Teepunsch.
Es wurde ein angenehmer Abend.

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