Kiel - die „Goldene Stadt“ am Meer
(Fortsetzungsroman)

Das „Goldene Kieler Schloss“

Schau mal Hans, das schöne Gebäude mit dem glitzernden, goldenen Dach, das muss etwas Besonderes sein !“ rief Anna als sie sich dem Anleger Seegarten näherten.
Ja, sieh doch - es steht doch dran, dort in goldenen Lettern, Kieler Schloss. Ein 3B Gebäude: Beschriftet, beflaggt und beleuchtet !
„Das Kieler Schloss? Das hätte ich mir doch anders vorgestellt, sieht ja aus wie ein Bürohaus!“

Wie Hans vom Fördedampfer aus am Ufer auf dem Stadthügel von Kiel das Kieler Schloss überblickte, schoß ihm der lange Weg der Geschichte zu einem redenden Bilde des Schlosses zusammen.

Dort, an der höchsten Stelle der Altstadt, hatten schon im 13. Jahrhundert die Grafen von Holstein eine Schutzburg für den Handelsplatz "Tom Kyle"angelegt.
Noch auf der alten Kieler Burg traf am 4. 4.1460 der holsteinische Adel den dänischen König Christian I. In einer "Tapferen Verbesserung" präzisierte der König das kurz zuvor ausgestellte Privileg von Ripen. Darin war festgelegt, das der dänische König gleichzeitig in Personalunion auch Herzog von Schleswig und Graf von Holstein war. Damit wurde also auch Kiel dänisch.

Was, Kiel und Schleswig-Holstein gehörten mal zu Dänemark?“ Wollte Anna wissen.
Ja, und blieben es fast 400 Jahre!“

Im 15. Jahrhundert kam die mittelalterliche Kieler Burg durch die Auswirkungen des Vertrags von Ripen in den Besitz des dänischen Königs Friedrich I. Als Herzog Friedrich I. von Holstein-Gottorf ließ er 1502 diese mittelalterliche Burg niederlegen und durch einen ersten Schloßbau, das "Neue Haus", ersetzen. Es wurde 1512 vollendet.
Sein Sohn Adolf begründete als Adolf I. das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf, dem die Stadt Kiel samt Schloss zugeschlagen wurden. Unter Herzog Adolf wurden im Land zahlreiche neue Schlösser errichtet. Wie auch in Reinbek, Husum und Tönning wurde in Kiel ein Neubau errichtet, der das alte Schloss 1558 bis 1568 um einen großen Renaissancebau auf der Hafenseite erweiterte. Außen durch einen Kranz von zwölf aufwändigen Ziergiebeln und zwei hochragende Treppentürme geprägt, barg das Innere zahlreiche gewölbte Säle und Kabinette sowie die überaus kostbar ausgestattete Schlosskapelle.

Lange fristete das Schloss ein Schattendasein als Nebenresidenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Das neue Kieler Schloß des 16. Jahrhunderts wurde überwiegend als Witwensitz, später auch als Verwaltungssitz genutzt.

Ein bedeutendes historisches Ereignis spielte sich im Schloss 1665 ab: Vom 3. bis 6. Oktober 1665 fanden hier die Einweihungsfeierlichkeiten zur Gründung der Kieler Universität, der Christiana-Albertina, statt. 1685 stürzte der ältere, unter Friedrich I. erbaute Flügel ein und wurde von 1695 bis 1697 im Auftrage Friederike Amalies, der Frau Herzog Christian Albrechts, durch einen Neubau, den sogenannten Rantzauflügel oder Rantzaubau, der heute noch größtenteils steht, ersetzt. Baumeister war hierbei Domenico Pelli.

1700 beginnt dann der Nordische Krieg (1700 bis 1721). Im Verlauf dieses Krieges verloren die Gottorfer Herzöge 1713 den Schleswiger Anteil ihres Herrschaftsgebietes an Dänemark. Nur die Gebiete in Holstein bleiben im Besitz der Gottorfer. Der Herzog Karl Friedrich (von Gottorf) ist nun seit 1721 (Ende des Nordischen Krieges) nur noch Herzog von Holstein.
Damit wurde Kiel für ein halbes Jahrhundert Hauptort und das Kieler Schloss Residenz des verbliebenen Territoriums.

1725 heiratete Herzog Karl Friedrich in Petersburg Anna Petrowna, die älteste Tochter Zar Peters des Großen (von Russland). Von 1727 bis 1739 lebt er im Kieler Schloss.

Am 26. August 1727 hielt das Herzogspaar unter großem Jubel der Bevölkerung einen glanzvollen Einzug in die Stadt und das Schloß Kiel.

Was nur wenige wissen: Kiel wurde auch von Russland regiert“, versuchte Hans zu erläutern.

1728 wurde im Kieler Schloss Karl Peter Ulrich, als Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf geboren. Er war der einzige Sohn aus dieser Ehe. 1739 stirbt Herzog Karl Friedrich. Karl Peter Ulrich wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern in Rußland auf. Damit wird Holstein ab 1742 von Rußland regiert. Er wird 1762 Zar von Russland unter dem Namen Zar Peter III., jedoch nur für kurze Zeit. Es werden Kriegsvorbereitungen gegen Dänemark ergriffen, doch es kommt nicht zum Krieg da der Zar ermordet wird. Seine Ermordung machte den Weg frei für seine Gemahlin, die spätere Zarin Katharina die Große, unter ihr wurde der Renaissancebau des Kieler Schlosses zu einem großen, barocken Palais umgestaltet. 1763 beseitigte Ernst Georg Sonnin, der Baumeister der Hamburger Michaeliskirche, in Ihrem Auftrag die inzwischen baufälligen Giebel und ersetzte sie durch ein gewaltiges Mansarddach. Sie rettete das inzwischen marode Kieler Schloss so vor dem Verfall.

1773 wurde der Gottorfer Reststaat an den dänischen König übertragen. Katharina die Große entsagte ihren Ansprüchen in Schleswig-Holstein am 16. November 1773 im Vertrag von Zarskoje Selo. Das Herzogtum Holstein ging nun für die nächsten 91 Jahre ebenfalls an den dänischen König, der feierliche Übergabeakt wurde im Kieler Schloss abgehalten. Damit war der dänische Gesamtstaat vollendet.

Kiel erst dänisch, dann russisch, und nun wieder dänisch regiert ?“ fragte Anna, „Das ist ja eine komplizierte Geschichte!“
„Genaugenommen ist es noch viel komplizierter, da die staatsrechtliche Zugehörigkeit noch anders war. Holstein gehörte von 811 bis 1806 zum Fränkischen Reich bzw. Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und war nach 1815 ein Mitglied des Deutschen Bundes.“

1838 kam es zum ersten Kieler Schlossbrand. Er vernichtete weite Teile des Gebäudes und der Schlosskapelle. Der Verlauf des Brandes führte zur Gründung der ersten freiwilligen Feuerwehr in Kiel.

Zu Beginn der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848 konstituierte sich im Kieler Schloss eine provisorische schleswig-holsteinische Regierung, die Landesversammlung, die die beiden Herzogtümer in einen Krieg gegen Dänemark führte, den Schleswig-Holsteinischen Krieg. Dieser Versuch, sich von der dänischen Krone zu lösen und souveränes Mitglied im Deutschen Bund zu werden, scheiterte. Der Londoner Vertrag von 1852 regelt das Schicksal Schleswig Holsteins. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein werden getrennt. Holstein und Lauenburg bleiben im Deutschen Bund. Der dänische Gesamtstaat blieb aber erhalten.

Erst 1864 kam es dann zur Eroberung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg. Während des Krieges diente das Kieler Schloss als Lazarett und militärisches Hauptquartier.

Die fast 400 jährige dänische Herrschaft war zu Ende. Die erhoffte Freiheit der Herzogtümer Schleswig und Holstein blieb jedoch aus. Schleswig wurde von Preußen, Holstein von Östereich verwaltet. Vom Kieler Schloss aus regierte der Östereichische Freiherr von Gablenz das Land bis es 1866 zwischen Preußen und Österreich zum Krieg kam, in dem Preußen siegte.
Ein Jahr nach der Annexion beider Herzogtümer nahm der preußische König 1867 auf dem Kieler Schloss seine neue Provinz Schleswig-Holstein förmlich in Besitz.

Schleswig-Holstein und Kiel waren nun unter preußischer Herrschaft“.

In der Preußischen Zeit bekam das Kieler Schloss wieder einen bedeutenden Bewohner, von 1888 bis 1918 diente es als Wohnsitz des Prinzen Heinrich von Preußen. Der Prinz diente als Großadmiral in der Kaiserlichen Marine, während Kiel zum bedeutendsten Marinehafen des Kaiserreichs aufstieg.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Schloss seine Bedeutung, Prinz Heinrich zog sich auf sein Gut Hemmelmark zurück, das Schloss wurde Verwaltungssitz und nahm die Landesbibliothek auf. In den 1930er Jahren wurde geplant, das Gebäude zu einem Haus der Landeskultur zu machen.

Fast genau 100 Jahre nach dem ersten Schlossbrand kam es 1938 zum zweiten Kieler Schlossbrand.

Doch erst bei einem der vielen Bombenangriffe während des 2.Weltkriegs wurde das Kieler Schloss 1944 fast vollständig zerstört.

Seit dem 2. Weltkrieg gehört das Schloss dem Land Schleswig- Holstein“.

Seit 1946 bildet Holstein gemeinsam mit dem Landesteil Schleswig wieder ein staatliches Gemeinwesen, das Bundesland Schleswig-Holstein der Bundesrepublik Deutschland. Damit gehört auch das Kieler Schloss dem Land Schleswig-Holstein.

Der Wiederaufbau Kiels als Großstadt wurde durch Stadtbaurat Herbert Jensen geprägt. Er sah für die Altstadt die Erhaltung des mittelalterlichen Stadtgrundrisses und somit auch des Schlossstandortes vor. Der Wiederaufbau des Schlosses sollte zunächst umfangreiche Teile der historischen Mauern mit einbeziehen. Am Ende blieb nur der sogenannte Rantzaubau, also der Westflügel der barocken Schlosserweiterung von 1697, übrig.

Der Wiederaufbau des Schlosses erfolgte 1964 in moderner Form“.

Ein Entwurf der Hamburger Architekten Sprotte und Neve für den Wiederaufbau des Kieler Schlosses siegte 1957 im Architektenwettbewerb und wurde realisiert. Sie ließen sich bei ihrer Planung vom historischen Gebäude inspirieren und schufen in den Jahren 1961 bis 1963 einen strengen Backsteinkubus mit knapper Dachzone und angesetztem Turm. Haupthaus und historischer Westflügel wurden durch einen auf Stützen gestellten, mit weißem Marmor verkleideten Riegel verbunden, der die Stelle des alten Südflügels einnimmt und Historische Landeshalle genannt wird.

Der Ostflügel beherbergte in den oberen Stockwerken die Landesbibliothek. Die unteren Geschosse mit teilweise sehr hohen Räumen und der daran anschließende Anbau wurden zum Kulturzentrum „Kieler Schloss“. Der Anbau beherbergt einen Konzertsaal und ein Regionalstudio des NDR. Der Westflügel wurde von der Volkshochschule genutzt.

Im Jahr 2003 wurde das Schloss privatisiert“.

Im Jahre 2003 verkaufte das Land Schleswig-Holstein die Liegenschaft Kieler Schloss. Sie befindet sich seither in Privatbesitz. Die Landesbibliothek zog in den weiter südlich gelegenen Sartori-Speicher um.

Seit 2005 steht der gesamte Schlosskomplex – einschließlich der Nachkriegsbauten – unter Denkmalschutz..

Ab 2006 hat das Kieler Schloss einen neuen Hauptmieter. Im dritten und vierten Stock ist das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (BIZ) eingezogen. Im Rantzaubau befindet sich ein Architekturbüro.

Damit ist dein Eindruck eines Bürohauses garnicht so verkehrt, Anna!“ „Ja, eigentlich schade.- bei der Geschichte!“
„Wenigstens haben sich der Denkmalschutz und die Eigentümer geeinigt, und das Schloss für uns etwas mit Gold aufgehübscht!“
So, nun laß uns an Land gehen und im Schlossrestaurant was trinken - Geschichte macht durstig! Neben der schönen Aussicht kann ich dir dann noch das Schlossverließ zeigen!“

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