Kiel - die „Goldene Stadt“ am Meer
(Fortsetzungsroman)

Das Goldene Gemeinschaftskraftwerk Kiel
und der Kieler Förde Fahrradtunnel

Auf der anderen Seite der Förde schien noch die warme Abendsonne.
Also beschlossen Anna und Hans noch schnell mit dem Fahrrad zum Sonnenuntergang nach Hasselfelde an den Strand zu fahren.
K
urz an der Kielline entlang, dann zum Hindenburgufer. Gleich hinter dem Institut für Weltwirtschaft, vor dem Schild „Zum Kieler FördeTunnel“, hielten sie an.
„Was ist das denn für ein Tunnel?“ fragte Anna erstaunt. „Das ist ein Kieler Touristenmagnet, beinahe so wie der alte Hamburger Elbtunnel!“ erklärte Hans voll Stolz. „Von hier können Fußgänger und Radfahrer unter der Kieler Förde hindurch auf's Ostufer gelangen. Das ist ein richtiges Erlebnis, nichts für Leute mit Platzangst! Auf dem Wasser fahren Schiffe, unter Wasser die U-Boote , und darunter werden wir durch den Tunnel gefahren! Eine lange diskutierte Verbindung zwischen dem West- und dem Ostufer mit einer Seilbahn ist dadurch hinfällig geworden!“

Es gibt schon erstaunliche Entwicklungen, schoß es Hans durch den Kopf.

Der Kieler Förde Tunnel Baugemeinschaft-Kiel
Der Kieler Förde Tunnel (Modell IfM Geomar)

Das Gemeinschaftskraftwerk Kiel

Nach der Stilllegung des Kraftwerks in der Wik wurde 1970 auf dem Ostufer der Kieler Förde ein neues Kohlekraftwerk errichtet. Die preiswerte Steinkohle wurde per Schiff oder Bahn angeliefert und dort gelagert. Ursprünglich war das Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK) ausschließlich für die Stromerzeugung vorgesehen. Nach einem aufwändigen Umbau lieferte das GKK seit 1992 zusätzlich Wärme – die Kraft-Wärme-Kopplung machte es möglich. Als so genanntes Grundlastkraftwerk bildete es damals die Basis der Kieler Fernwärmeversorgung. Und in Zeiten des Spitzenbedarfs lieferte das Gemeinschaftskraftwerk bis zu 50 Prozent des Wärmebedarfs für die an das Kieler Fernwärmenetz angeschlossenen Haushalte. Die Fernwärme wurde durch einen 1368m langen Tunnel unter der Förde hindurch vom Gemeinschaftskraftwerk auf das Westufer geleitet. Das war eine technische Meisterleistung der Stadtwerke Kiel.

Da das Gemeinschaftskraftwerk Kiel nach fast 50 Jahren am Ende seiner Lebensdauer war, gab es einen Kampf um ein neues Konzept. Das Kohlekraftwerk wurde dort letztlich ganz aufgegeben. Das gesamte Gelände bis Mönkeberg wurde renaturiert. Das hatte politische und technisch-ökonomische Ursachen:

Die Energiewende wirft alle Planungen durcheinander

Um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken, wurde die Energieerzeugung aus fossilen Rohstoffen zurückgefahren. Es sollte eine sichere Versorgung auf der Basis regenerativer Energien aufgebaut werden. Ein Gemeinschaftskraftwerk, entschied man, brauchte Kiel nicht mehr. Doch der Fernwärmetunnel unter der Kieler Förde und ein Großteil des Kieler Fernwärmenetzes war gerade erst für viele Millionen Euro erneuert worden. Beides ist durch die Energiewende zur Fehlinvestition geworden.

Die gesamte Fernwärmeversorgung war gestern

Eine Fernwärmeversorgung war sinnvoll gewesen, solange die Abwärme aus dem Kohlekraftwerk oder der Müllverbrennungsanlage anfiel. Müll wird heute recycelt und die Fernwärmeversorgung über Heißwasser aus Kohle, Heizöl, Erdgas oder Müll entfiel also vollständig. Und damit auch die lange Versorgungsleitung unter der Kieler Förde hindurch. Sämtliche Fernwärme- und Erdgasleitungen wurden ersetzt durch Stromkabel.

Erneuerbare Energieerzeugung basiert auf Strom

Die Energiewende in Deutschland führte schon bald zu einem Überangebot an Ökostrom. Denn erneuerbare Energieerzeugung liefert Strom, der auch zum Heizen direkt in die Haushalte geliefert wurde. Nachdem alle Gebäude eine Wärmedämmung fast auf Passivhaus - Niveau bekommen hatten, war das die preiswerteste und sauberste Lösung. Für die Übergangszeit gab's noch Nahwärmeversorgung durch Elektrodenheizkessel.

Wasserstoff als Energiespeicher

Die Notstromversorgung wurde durch viele dezentrale Gaskraftwerke wie in Hasselfelde sichergestellt, die mit Wasserstoff betrieben wurden. Da kam nur noch Wasserdampf aus dem Schornstein.
Hergestellt wurde das Wasserstoffgas ausschließlich mit Überschuss-Strom aus erneuerbaren Energien (EE) aus Schleswig-Holstein, Dänemark und Norwegen.
Das EE-Wasserstoffgas wird ungefährlich als LOHC in Großspeichern vor Ort, wie hier unter dem Ölberg in Mönkeberg, zwischengespeichert. Die Neuentwicklung des Wasserstoffnetzes wurde von der now-GmbH gefördert, und war für die Stadtwerke Kiel ein Erfolgsmodell.

Der Umbau der Kieler Energieversorgung nur auf regenerative Quellen war wiedereinmal eine zukunftsweisende Lösung der Stadtwerke Kiel.

Die Stilllegung des Gemeinschaftskraftwerks hatte ja auch einige Vorteile.“ bemerkte Hans „So gäb's ohne das Gemeinschaftskraftwerk diesen Tunnel nicht. Wir können nun mit dem Fahrrad, ohne lange Umwege über die Hörnbrücke oder die Fähre, unter der Kieler Förde hindurch auf's Ostufer nach Hasselfelde gelangen. Auf einem kleinen Teil des ehemaligen Gemeinschaftskraftwerks ist eins der dezentralen Brennstoffzellen-Gaskraftwerke angesiedelt. Der Rest wurde dem Ostuferhafen zugeschlagen. Der nördliche Bereich wurde renaturiert und erweitert den schönsten Kieler Stadtstrand Hasselfelde zum Stadtbad mit Naturcharakter. Der einst für die Kiellinie und das Hindenburgufer diskutierte Stadtstrand ist nun hier aufgespült worden. Es ist viel ruhiger, und die Sonne scheint auch Abends noch, bis sie über Kiel untergeht. Vom Westufer ist der Stadtstrand Hasselfelde durch den Kieler Förde Tunnel schnell erreichbar, und gut geeignet für das schnelle Bad nach Feierabend.“

Die beiden schoben Ihre Fahrräder in die Fahrgastkabine und ab ging's. 30m nach unten, dann in schneller Fahrt unter der Förde hindurch, und 30m nach oben.

Wieder an der Luft, blieb Anna überrascht stehen. „So ein schönes Fleckchen Erde. Und dann dieser Blick auf die Stadt, - das ist ja traumhaft!“

Keine 5 Minuten später saßen sie schon im neuen Restaurant „Kieler Ansichten“, im Strandkorb bei einem Glas Rotwein.
Über der Stadt Kiel begann der Goldene Sonnenuntergang.

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