Kiel - die „Goldene Stadt“ am Meer
(Fortsetzungsroman)

Die Goldene Dänische Straße in Kiel
- Harald Blauzahn, Anke Sporendonk und die Energiewende

Anna und Hans wollten gerade zum Frühsport in den Ratsdienergarten, da klappert der Briefschlitz an der Wohnungstür. Die Schritte des Briefträgers sind noch zu hören, da hat Anna schon die Post in der Hand. „ Ein Brief von der Landeshauptstadt Kiel!“ Anna überlegte einen kleinen Augenblick. „Ach ja, es ist schon wieder mal Wahl, da bekomme ich 30 Euro.“ - „Dann bist du Wahlhelfer? Ist das interessant?“ fragte Hans neugierig „Na ja, die Regeln zum Wahlablauf kenne ich schon, aber über die Parteien weiß ich eigentlich wenig. Du kannst mir sicherlich eher sagen, was es mit den Dänen und dem SSW auf sich hat. Der hat ja mit 40% die SPD überholt, dabei frage ich mich, wo gibt es eigentlich so viele Dänen in Kiel? Wohnen die in der Dänischen Straße?“

„Das mit den Dänen, das ist eine längere Geschichte,“ schoß es Hans durch den Kopf. „Das versuch ich Dir mal unterwegs zu erzählen.“

Dänemark in Kiel Baugemeinschaft-Kiel
Dänemark in Kiel

Die Energiewende hat es mitgebracht, das Glück!
An den langen Küsten Dänemarks produzieren die riesigen dänischen Offshore Windenergieanlagen und die Anlagen an Land große Mengen Überschuss-Ökostrom, der über die dänischen - und schleswig-holsteinischen Stromautobahnen entweder in den Süden geleitet und verbraucht, oder nach Norden bis nach Norwegen gebracht wird, um dort in den vielen Pumpspeicherstauseen der Fjorde gespeichert zu werden. Die schleswig-holsteinischen Haushalte heizen heute mit Überschuss-Ökostrom. Das ist sauber, sicher und preiswert.
Energieintensive Unternehmen haben sich diesseits und jenseits der Grenze entlang dieser Stromautobahnen angesiedelt. Viele deutsche in Dänemark, und viele dänische in Schleswig-Holstein. Parallel dazu wurde die Infrastruktur durch neue Strassen- und Eisenbahnverbindungen nach Dänemark gestärkt. Nach der Stilllegung des Nord-Ostsee-Kanals gab es keine Engpässe mehr durch Brücken oder Tunnel. Das gab einen richtigen Wirtschaftsaufschwung im strukturarmen Schleswig-Holstein.

Von zahlreichen dänischen Einrichtungen in Schleswig-Holstein leuchtet heute wieder der Dannebrog. Die rote Flagge mit dem weißen skandinavischen Kreuz macht schon hier einen Vorgeschmack auf Dänemark. Die Deutsch-Dänische Gesellschaft und der SSW haben gute Arbeit geleistet. Dänische Hot Dogs mit rot gefärbten Würstchen "Røde Pølser", konkurrieren in der Kieler Holstenstrasse mit Deutscher Bratwurst. Im preiswerten Kro (Kro = Gasthaus) oder in einem der vielen Dänischen Restaurants in der Stadt Kiel können wir Smörrebröd, Dansk Bøf oder Dänischen Fischsalat genießen. Dänisches Design erkennt man in vielen Geschäften: Möbel, Porzellan, Betten, Hausrat, Goldschmuck. In Kieler Museen und Parks findet man Werke dänischer Künstler. Aus den Pups klingt dänische Musik. In vielen Kieler Familien ist die dänische Lebensweise eingekehrt.
Gefühlt, ist das Leben in Kiel richtig hyggelig geworden.
Laut dem ‘World Happiness Report’ der Vereinten Nationen sind die Dänen die glücklichsten Menschen der Welt!

Auf dem Rathausplatz blieben Hans und Anna kurz stehen. Dort im ersten Stock des Kieler Rathauses hängen die Porträts von dänischen Königen mit engen Verbindungen nach Kiel. Christian VII. beispielsweise veranlasste 1774 den Bau des Eider-Kanals, dem Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals,“ begann Hans. „Und in der Nikolaikirche hängt ein weiteres Zeugnis für deutsche-dänische Geschichte: Der große Pommern Gobelin zeigt den dänischen König Christian III. und den Lutheraner-Mönch Johannes Bugenhagen (1485-1558), der eine zentrale Rolle dabei einnahm, die Ideen der Reformation nach Holstein, Schleswig und Dänemark zu bringen. - Doch eigentlich begann alles viel früher“

Die Lage, die Lage, die Lage
Schleswig-Holstein war und ist das Tor nach Skandinavien. Oder, von Norden, das Tor nach Mittel-Europa. Es ist die strategisch günstige Lage zwischen Nord- und Ostsee, die diese Region zum ewigen "Zankapfel" machte. Schon in der
Zeit der Völkerwanderung um 600 gelangten die Vorfahren der heutigen Schweden nach Dänemark und verdrängten die germanischen Stämme, welche bereits dort lebten. Es entstanden früh die ersten Königreiche Dänemarks. Ein Kampf um Schleswig-Holstein begann. Die erste Grenzziehung erfolgte durch König Hemming 810–811, er schloß Frieden mit Karl dem Großen und machte die Eider zur Südgrenze Dänemarks.

Dänemark wurde erst etwa im 10. Jahrhundert unter Gorm dem Alten und dem Wikinger König Harald Blauzahn (auch: Harald I. Gormson; dänisch Harald Blåtand) unter einem König vereint. Harald Blauzahns Politik zielte auch darauf ab, Dänemark und Norwegen zu vereinen.
In Anspielung auf seine Politik der Vereinigung leitet sich die Bezeichnung für die drahtlose Computer- und Mobilfunktechnologie "Bluetooth" ab. Das Bluetooth-Signet besteht aus den Runenzeichen für die Buchstaben H und B.

Seit Harald Blauzahn kämpften Dänemark und Deutschland um das Gebiet Schleswig-Holsteins mit wechselndem Erfolg.

Der Konflikt um die Herrschaft über die Gebiete zwischen Elbe und Eider wurde in der Schlacht von Bornhöved 1227 entschieden. Deutschland gewann Holstein zurück. Dänemarks Zeit als Großmacht war erstmal vorbei. Um 1340 stand ganz Dänemark unter holsteinischer Herrschaft.
Mit der Kalmarer Union von 1397 wurde Dänemark mit Norwegen und Schweden wieder ein europäisches Großreich. Die staatsrechtliche Vereinigung Schleswigs und Holsteins und die Einbindung in den neuen großen Dänischen Gesamtstaat folgte 1460 im Vertrag von Ribe (Ripen). Doch bereits 1523 schied Schweden aus dieser Union aus.
Im Rahmen der Napoleonischen Kriege wurde Dänemark von Großbritannien und Schweden besiegt. Im Kieler Frieden von 1814 musste Dänemark nun Norwegen an Schweden abtreten. Mit dem Verlust von Norwegen verlor Dänemark ein Drittel seiner Fläche.
Doch Schleswig-Holstein gehörte bis 1864 weiter zum Dänischen Gesamtstaat.

Zur Vorbereitung des Deutschen Reichs führte Preußen 1864 Krieg gegen Dänemark, und gewann ihn mit der Schlacht an den Düppeler Schanzen. In dem Ripener Freiheitsbrief vom 5. März 1460 hatte der Dänenkönig den Schleswig-Holsteinern das Privileg gewährt, "dat se bliven ewich tosamende ungedeelt". 1864 hatten Preußen dieses als Vorrecht der Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen geltend gemacht. Holstein und Schleswig wurden annektiert. Insgesamt verlor das schon 1814 verkleinerte Dänemark wiederum fast eine Millionen Einwohner und ein Drittel seiner Fläche.

Nach dem Ersten Weltkrieg wird Schleswig doch noch geteilt: 1920 wird, nach einer Volksabstimmung, Nordschleswig Teil Dänemarks, Südschleswig geht an Deutschland. Die Grenze, die damals gezogen wurde, hat bis heute Bestand.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde ganz Dänemark von deutschen Truppen besetzt und war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges unter deutscher Kontrolle.

Unter dem Eindruck der Zeit des Nationalsozialismus und des deutschen Zusammenbruchs trat der Südschleswigsche Verein in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg für eine erneute Volksabstimmung in Südschleswig ein, um eine Abtretung dieses Gebietes oder von Teilen hiervon an Dänemark zu erreichen („Wiedervereinigung“).
Während der britischen Besatzungszeit bildete sich 1948 aus dem Südschleswigschen Verein, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der jedoch auf Druck der Briten in seinem Programm auf Forderungen nach einer Grenzverschiebung verzichten musste.

Lange hatten die Dänen diese Ereignisse im kollektiven Gedächtnis ganz vorne.
Doch die Zeiten haben sich geändert, so werden Deutsche von Dänen beispielsweise nicht mehr zuerst mit dem Nationalsozialismus verbunden. 2004 überrascht die Nachricht, dass deutsche und dänische Soldaten die Schanze 14 des Danewerks gemeinsam wieder aufbauen, 2010 wurde sogar ein Lied über 1864 geschrieben. In Dänemark bekannt unter dem Titel „Mallebrok“. Und heute baut Dänemark den Fehmarn-Belt-Tunnel nach Schleswig-Holstein.

Das Justizministerium in Kiel Baugemeinschaft-Kiel
Das Justizministerium in Kiel

Es tut sich was.
Seit Juni 2012 ist der SSW erstmals in Regierungsverantwortung. Nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein bildete er mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen eine so genannte Dänen-Ampel. Erstmals übernahm der SSW mit Anke Spoorendonk auch ein Ministeramt.
Seit dem 12. Juni 2012 ist Anke Spoorendonk schleswig-holsteinische Ministerin für Justiz, Kultur und Europa im Kabinett Albig, sowie zweite Stellvertreterin des Ministerpräsidenten.

Die Energiewende ?

Die Dänische Straße in Kiel
Schon bei Stadtgründung Kiels ab 1232 wurde die Dänische Straße angelegt. Sie führte vom Alten Markt zum Dänischen Tor am nördlichen Stadtrand. Sie hieß so, weil sie als "via danica" eben nach Dänemark führte. Dänemark war damals nur 2 km entfernt, denn das Herzogtum Schleswig war damals dänisch. Die Dänische Straße heißt also deshalb so, jedoch findet man dort wenig dänisches.
Dennoch ist die Dänische Straße eine idyllischen Altstadtstraße, in der exklusive Geschäfte erlesene und hochklassige Waren anbieten. Ob hochwertige Konfektionsmode aus Deutschland, Frankreich und Italien, Herrenmaßbekleidung nach englischer Art, oder nach alter Tradition gefertigte Hüte für anspruchsvolle Damen und Herren, ob handgefertigtes aus der Goldschmiede, hochwertiges Silberbesteck oder alter Schmuck der begeistert. Alles luxuriös, edel und schick.
Die Buchläden in der Dänischen Straße bieten wertvolle neue und alte Literatur, aus den Bereichen Romane, Heimatkunde Schleswig-Holstein, Geschichte und Politik, Kunst, Architektur, Design und Maritimes, dekorative Graphik, und spezielle theologische Literatur. Alles mit fachkompetenter Beratung und kreativem Anspruch. Die Dänische Straße bietet dazu Essen und Trinken auf hohem Niveau, von der Italienische Pizzeria, bis zum Feinschmecker Restaurant.

Wenige Schritte weiter, im Ratsdienergarten begannen Anna und Hans mit dem Frühsport. „Wirklich, wir leben schon in einer interessanten Stadt,“ meinte Anna „Ich glaub, ich will im Urlaub 'ne Fahrradtour durch Dänemark machen. Aber heute Abend gibt's erstmal Kim Larsen Musik im STATT-CAFÉ mit dänischem Waffeleis.“- „O.k.“ stimmte Hans zu. „Und für mich ein ordentliches Tuborg Fadøl !“

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